In einem kleinen Dorf in Masuren war einem Bauern sein Pferd davongelaufen. Am Abend versammelten sich
die Nachbarn und bemitleideten ihn, weil er solches Pech hatte. Der Bauer
sagte: „Kann sein.“ Am nächsten Tag kam das Pferd zurück und brachte ihm
noch sechs Wildpferde mit. Und seine Nachbarn kamen und riefen, welches Glück
er hatte. Er sagte: „Kann sein.“ Und am folgenden Tag versuchte sein Sohn,
eines der wilden Pferde zu satteln und zu reiten. Er wurde abgeworfen und
brach sich ein Bein. Wieder kamen die Nachbarn und bekundeten ihr Mitleid
wegen seines Unglücks. Er sagte: „Kann sein.“ Am anderen Tag kamen
Offiziere ins Dorf und zogen junge Männer als Rekruten für die Armee ein,
aber der Sohn des Bauern wurde wegen seines gebrochenen Beines zurückgestellt.
Als die Nachbarn hereinkamen und ihm sagen wollten, wie glücklich sich alles
gewendet hatte, sagte er: „Kann sein.“
Es gibt „Tatsachen“.
Das sind die Fakten, die Sachverhalte oder die Situation in einem bestimmten Zeitpunkt
(„A“), die man als objektiv
bezeichnen kann, weil jeder ‚neutrale Beobachter‘ sie in gleicher Weise
als gegeben wahrnehmen kann.
Und es gibt „Bewertungen“.
Das sind alle bewussten und unbewussten gedanklichen Vorgänge zum Zeitpunkt
„A“ wie z.B. des Erinnerns, Verarbeitens, Schlussfolgerns,
Prognostizierens, Spekulierens und Bewertens von Situationen, Personen und
Sachen. Diese gedanklichen Vorgänge sind subjektiv,
das Ergebnis meines ganz persönlichen Gedankengebäudes, das sich
zusammensetzt aus den Erfahrungen in meiner ganz persönlichen Lerngeschichte,
aus meiner Weltanschauung, den Zielen, die ich verfolge und wie ich Dinge
bewerte. Deshalb können verschiedene Personen dieselbe Tatsache ganz
unterschiedlich bewerten und jeder hat in seinem Sinne „richtig“ bewertet.
In diesem Sinne sind meine Bewertungen von Tatsachen objektiv weder
richtig noch falsch, sondern allenfalls innerhalb eines Gedankengebäudes
logisch nachvollziehbar („Ich kann verstehen, dass Sie so denken“) oder
unlogisch, in sich widersprüchlich („Da widersprechen sie sich
selbst..“).
Es gibt viele
unterschiedliche Tatsachen und deren Bewertungen:
man kann es so oder so sehen:
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Tatsachen
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Bewertungen |
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ich breche mir ein Bein |
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ich gewinne im Lotto |
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mein Lebenspartner verlässt mich, indem er von mir geht oder stirbt
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Leute reden englisch miteinander und ich verstehe nichts. Ich habe nie Fremdsprachen gelernt.
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Früher bin ich von einem Hund gebissen worden
und habe seitdem Hunde immer gemieden. |
Entscheidend für die Art
der Bewertung ist nicht, ob sie richtig oder falsch sind.
Bewertungen können für meine Entwicklung in Richtung
auf mein Ziel oder meine Wünsche hinderlich
oder förderlich sein.
Darauf kommt es an.
Was aber sind meine Ziele?
Wie kommt es, dass ich immer wieder in ähnliche Situationen gerate,
mich in ähnlicher Weise verhalte, ohne es bewusst zu wollen?
Hier spielen kognitive Verhaltenstherapie, systemisches und
gestaltpsychologisches Denken
und psychodynamische Gesichtspunkte ineinander (siehe Systemisches
Denken und Kunst).