Wie kam C. G. Jung zu seinen Ideen?

ein interessanter Hinweis aus dem Genogramm Jungs

Auch das Muster der Berufswahl kann sich über mehrere Generationen wiederholen. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Genogramm von Carl Gustav Jung (siehe Abbildung). Schon ein erster Blick auf dieses Genogramm zeigt die Häufigkeit von Pfarrern in Jungs Familie: Jungs Vater, zwei seiner Onkel väterlicherseits und alle sechs Onkel mütterlicherseits, der Großvater mütterlicherseits sowie zwei Großonkel mütterlicherseits waren Pfarrer. Als nächstes fällt auf, dass sowohl sein Großvater väterlicherseits, nach dem er benannt wurde, als auch sein Urgroßvater väterlicherseits, Ärzte waren. Schließlich gab es mehrere Familienmitglieder, die an das Übernatürliche glaubten: Jungs Mutter, sein Großvater mütterlicherseits und seine Cousine, Helena Preiswerk, die sich selbst als Medium bezeichnete und deren Seancen Jung in seiner Jugend beiwohnte. Jungs spätere Tätigkeit als Arzt und sein starkes Interesse an der Religion und dem Übernatürlichen deckt sich also vollkommen mit den in seiner Familie vorherrschenden Mustern.

Abbildung: Familie Jung
zitiert nach McGoldrick M. / Gerson R.: Genogramme in der Familienberatung.
S. 83. Hans Huber, Bern 1990

Die Arbeit mit Genogrammen in der Therapie ist aus dem systemischen Gedanken entstanden. Es wird der Blickwinkel geöffnet von der Konzentration auf das Individuum hin zu seinem familären Umfeld als einem Faktor, der zu einem besseren Verständnis der Person führen kann (siehe z.B. systemisches Denken). In einen größeren Zusammenhang gestellt lassen sich Probleme eines einzelnen Menschen als Ausdruck seines Beziehungsgegfüges verstehen, in dem er lebt. Therapeutische Interventionen zielen darauf, diese Muster deutlich werden zu lassen, die Ressourcen zu aktivieren und die Handlungsmöglichkeiten der Beteiligten zu erweitern. Welches System als therapeutisch relevant angesehen wird, hängt von dem spezifischen Kontext der Therapienachfrage ab.

Der Verlag Hans Huber schreibt zum Buch von McGoldrick:

Das Genogramm ist eine praktische Methode, Fakten übersichtlich darzustellen, die in der Anfangsphase einer Familienberatung zutage treten: Informationen über den Patienten und seine Beziehungen zu Verwandten der eigenen, vorausgehender oder nachkommender Generationen. In den Genogrammen zahlreicher Familien mit berühmten Mitgliedern (u.a. Freud, Gandhi, Roosevelt, C. G. Jung, Virginia Woolf, Kennedy, O`Neill, Mead, Chaplin, Einstein) wird die Effektivität dieses Instruments ebenso dargestellt wie an konkreten Fallgeschichten. Der Leser lernt die Symbole und Verfahrensweisen kennen, die für die Notierung wesentlich sind, und erfährt, wie man die so gezeichneten Genogramme interpretieren und für Diagnose und Therapie nutzen kann.